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Fernöstliche Lebenskünste

Körpertherapie

Immer mehr Menschen in unserer westlichen Welt kommen auf der Suche nach körperlicher Entspannung und innerer Ausgeglichenheit in Kontakt mit den fernöstlichen Lebenskünsten, wie Taiji, Qi Gong und Shiatsu. Diese Praktiken zur Gesunderhaltung arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip: das Qi = die Lebensenergie soll wieder ins rechte Lot gebracht werden. Gute Links zum Thema gibt's auf der LinC-Online Homepage. Auch wenn die weltanschaulichen Grundlagen nicht jedem einleuchten, können Körpertherapien sehr hilfreich sein.

Alena Maria Schneider, Lehrerin für Taiji und Qi Gong und Shiatsu-Lehrtherapeutin (GSD), erläutert Euch auf den nächsten Seiten, was diese Lebenskünste sind, wie sie wirken, wo Ihr sie erlernen könnt und was speziell für Krebspatienten interessant ist.

Über das Qi

Qi bezeichnet das, was alles Leben erhält, vereinfacht gesagt, es ist die Lebensenergie (japanisch = ki). Es drückt sich in der Natur aus, die uns umgibt und durchströmt unseren körperlichen, seelischen und geistigen Organismus. Ungehindert und frei fleißendes Qi bewegt sich in einem fein abgestimmten, sich selbst gemäßen System, das sich immer wieder ausgleicht, Störungen überwindet und Leben, Gesundheit und Wohlbefinden bewahrt. Allerdings ist dieses freifließende Qi eine Fiktion. Denn wir bauen durch unsere Lebensweise des Eingreifens und Manipulierens unserer eigenen Natur und der Natur, die uns umgibt, Blockaden auf, die dieses feine System stören, Stagnationen aufbauen und Ungleichgewicht erzeugen. So entstehen in manchen Bereichen festgehaltene Zustände der Fülle, die in anderen Bereichen einen Mangel, eine Leere erzeugen. Solche Ungleichgewichte, Blockaden und Störungen können uns und die Umwelt krank machen, andererseits liegt aber immer auch ein Samen darin, der uns dient, daran zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.

Treten Störungen im Qi-Fluß auf, so äußert sich dies zunächst in einem Unwohlsein oder einer Mißstimmung. Werden die störenden Lebensumstände oder Lebenshaltungen weiter gepflegt, so verdichtet sich das Ungleichgewicht allmählich. Es kommt zu deutlicheren Zipperlein, die Spuren werden tiefer und schließlich kommt es zu organischen Erkrankungen. Qi Gong wie auch Taiji oder Shiatsu gehören in den Bereich der Gesundheitsvorsorge. Man übt sich darin, um schwere Störungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Daraus muß man aber nun nicht naiv und allzu vereinfachend schließen, daß die Qi-Künste Macht über die eigene Gesundheit bedeuten. Sie bedeuten ein größtmögliches Übernehmen an Verantwortung. Und gegebenenfalls helfen sie, mit der Herausforderung einer Erkrankung weise umzugehen.

In all diesen fernöstlichen Praktiken wird mit dem Qi gearbeitet:

  • Qi Gong

  • T'ai Chi

  • Shiatsu

  • Akupunktur

Das Ausüben der Qi-Künste bedeutet ein größtmögliches Übernehmen an Verantwortung. Sie können gegebenenfalls helfen, mit der Herausforderung einer Erkrankung weise umzugehen.

Qi Gong


Unverzichtbar für ein gutes Qi Gong - egal aus welcher Richtung - ist der Grundsatz:
"Wo der Geist hingeht, fließt das Qi."

Der Begriff Qi Gong bedeutet: Übungen zur Pflege der Lebensenergie (Qi). Dahinter verbirgt sich eine Vielzahl unterschiedlichster Übungssysteme, deren gemeinsamer Nenner eine günstige Einwirkung auf den freien und harmonischen Fluß des Qi ist. Auch Taiji gehört dazu. Sehr bekannt sind aus dem großen Kreis der Qi Gong-Übungen solche, bei denen der Atem eine zentrale Rolle spielt (daher wohl die häufig zu hörende Halbwahrheit, bei Qi Gong handle es sich um Atemübungen). Eine andere Gruppe zeichnet sich - wie auch das Taiji - durch seine langsam fließenden Bewegungen aus. Bei anderen wiederum werden Meridian (die Energiekanäle, die den Körper durchziehen) gedehnt oder anders angeregt.

Eine gesammelte innere Aufmerksamkeit vergleichbar der entspannten Wachheit in der Meditation gehört beim Qi Gong dazu. Rein mechanische Übungen sind kein wirkliches Qi Gong. Der Aspekt der Meditation stellen die Übungend des "Stillen Qi Gong" ganz in den Vordergrund. Bei einigen dieser Übungen gibt es keine äußere Bewegung mehr, bei anderen ist sie auf ganz wenig beschränkt. Da wird dann z.B. im entspannten aufrechten Sitzen geistig Qi durch seine Bahnen und zu bestimmten Zentren geführt.

Eine besondere Form des Qi Gong, das Fan Teng Qi Gong, möchte ich erwähnen, da es als ein Qi Gong gilt, das in der Bekämpfung von Krebs und anderen schweren oder chronischen Erkrankungen sehr hiflreich sein kann. In einem meditativen Stehen (oder auch Sitzen, sofern es die Verfassung der Übenden verlangt) strahlt hier die Übende über die eigenen Handzentren in bestimmten Abfolgen Qi auf wichtige Energiezentren. Dabei gibt es reinigende Aspekte, d.h man befreit sich vom sogenanntem trüben, verbrauchten Qi, und es gibt nährende Aspekte, d.h. das eigene Qi wird wieder aufgeladen und gekräftigt. Beim Üben von Qi Gong begibt sich die Praktizierende in einen sogenannten "Qi-Zustand". Das bezeichnet, soweit sich das mit Worten überhaupt vermitteln läßt, eine gelassene Haltung innerer Freundlichkeit, die dem Qi eine größtmögliche Durchlässigkeit und Freiheit zu ungehindertem Fluß und Selbstregulation anbietet. In diesem Zustand tiefer Sammlung entsteht Kontakt zum Qi, es wird zu einem wahrnehmbaren Element des Lebens, mit dem gut umzugehen erlernbar ist.

Eine weitere Qi Gong Form ist das Guolin Qi Gong (Windatmung)

Taiji

Wer Taiji übt, übt sich in Sanftheit und in einer in der eigenen Mitte ruhenden Fähigkeit bei sich zu bleiben und nachgiebig zu sein. Das Starre ist sehr viel leichter zu knicken als das Weiche.

Taijiquan oder kurz Taiji (alte Schreibweise: T'ai Chi) nimmt unter den Bewegungskünsten zur Pflege der Lebensenergie eine besondere Stellung ein. Der Begriff bedeutet "gemäß der Weisheit des Zusammenspiels von yin und yang mit leerer Faust kämpfen". In diesem komplexen Namen wird daraufhingewiesen, daß ein taoistisch geprägtes Lebensverständnis zugrunde liegt und daß es Bezüge zur Kampfkunst gibt, die gewaltlos aufgefaßt wird.

Taiji ist bekannt durch seine runden, fließenden, ästhetischen Bewegungen und dient den Übenden zunächst dazu, ein zentriertes Körperbewußtsein und entspannten Körpereinsatz zu lernen. Die Art der Bewegung ist eine Wohltat für Muskeln, Sehnen und Bänder, die wieder in ein harmonisches Zusammenspiel finden. Die weichen Bewegungen besänftigen den Geist. Umgekehrt braucht es Konzentration, die ungewohnten Abläufe zu üben, was den Geist in den Körper holt und ihm so Ruhe gibt. Taiji ist Meditation - Meditation in der Bewegung. In den Gruppen kommen oft Menschen zusammen, die gern eine Form der Meditation kennenlernen möchten, aber keine Geduld oder Neigung zum Stillsitzen haben. Sie treffen sich hier mit Menschen, die einen körperlichen Ausgleich suchen, sich aber möglicherweise eher für unsportlich halten.

Taiji ist auch Qi Gong. es dient dem freien Fluß, dem Ausgleich und der Kräftigung unserer Lebensenergie Qi. Taiji hat sich in den letzten Jahren im Westen sehr verbreitet und wurde dabei gelegentlich auf etwas reduziert, was wir leichter begreifen können: es wird heute vielerorts einfach als schonende Bewegungsgymnastik unterrichtet. Der Aspekt des Qi Gong fällt dabei unter den Tisch, und der weise und nur langsam zu entschlüsselnde Hintergrund des Taiji als Lebenskunst wird als Fast-Food verkauft. Sich auf die tieferen Aspekte einzulassen, ist eine Herausforderung und braucht wie alles Wesentliche im Leben Zeit sich zu entwickeln. Der Kampfkunstaspekt des Taijiquan läßt sich mit dem Lieblingsbild der Taoisten, dem fließenden Wasser andeuten. Nichts ist gewaltloser und weicher als fließendes Wasser und doch schleift es in seiner unerbittlichen Nachgiebigkeit Felsen ab, umfließt Hindernisse und bahnt sich beharrlich seinen Weg.

Mit der Zeit fließt das, was man im Taiji übt, mehr und mehr in die eigene Lebenshaltung und den Alltag mit ein. Wer sich gelassen und mit innerer Heiterkeit durchs Leben bewegt, fordert keinen Streit heraus. Er macht einfach immer weniger Angebote zu einem aggressiven Umgang.

Die meisten Menschen, die zum Taiji kommen, wollen etwas für ihre Gesundheit tun. Oft haben sie Rückenprobleme, Streß belastet sie, sie suchen Ausgleich zu einem Alltag, der sie von sich wegbringt und ihnen viel abverlangt. Taiji bietet sich für sie an, da es den Übenden auf der ganz konkret körperlichen Ebene abholt und gleichzeitig weit darüber hinausgeht. So ist es für den einen Menschen eine Entspannungsübung, die Spaß macht und für den anderen ein spiritueller Weg, der im Körperlichen gut verwurzelt ist.

Shiatsu

Ihr könnte Euch eine Shiatsu-Behandlung etwas so vorstellen: Nach einem ausführlichem Vorgespräch, bei dem sich die Behandlerin ein Bild von Eurem Gesundheitszustand, Eurer Situation und Eurem Anliegen macht, werdet Ihr gebeten, Euch auf einer bequemen Matte oder einem Futon niederzulassen. Die Behandlerin begibt sich zunächst selbst für ein paar Atemzüge in die Meditation, um sich zu sammeln und sich ganz auf den Moment einzustellen. Aus der eigenen Sammlung heraus beginnt sie die Behandlung. Über die Berührung erhält sie weitere Informationen zum energetischen Zustand, in dem Ihr Euch befindet. Sie bekommt Eindrücke, in welchen Bereichen oder Meriadianen (Energieleitbahnen) der Fluß der Lebensenergie Ki stagniert. [Shiatsu und Ki kommen übrigens aus dem Japanischen, im Chinesischen spricht man von Qi]. Jede Beeinträchtigung unseres Wohlbefindens und unserer Gesundheit geht mit Stagnationen im Fluß der Lebensenergie einher.

Vortrefflicherweise reagiert Ki auf Berührung. Das macht sich die Behandlerin in einr Art sensiblen Dialog der Berührung zu nutze, in dem sie das Ki einlädt wieder in seinem freien Fluß und Ausgleich zu finden. Typisch für Shiatsu ist ein sanfter Druck mit Handflächen, Handballen, manchmal auch den Ellbogen und den Knien und mit dem Daumen. Übersetzt heißt Shiatsu ganz langweilig "Daumendruck". Dieser Druck wird nie mit Krafteinsatz hergestellt, sondern ist das Ergebnis eines entspannten sich Hineinlehnes der Behandlerin mit ihrem Körpergewicht. Diese Hineinlehen wird äußerst differenziert und mit zunehmender Erfahrung feinfühlig ausgeführt. Der "Druck" kann dabei sehr kraftvoll und genauso gut sehr leicht ausfallen - je nachdem, was Verfassung und Gesundheit der Partnerin verlangen. Zusätzlich zu den Techniken des Gewichtens wird der sich entspannt überlassende Körper der Partnerin bewegt, in Gelenken rotiert, gedehnt, geschaukelt oder einfach gehalten. Auch Aspekte, wie sie z.B. im "Reiki" vorkommen, also das energetisch nährende Auflegen der Hände gehören dazu.

Im Shiatsu könnt Ihr die Erfahrung machen, in respektvoller Berührung Euch selbst besser kennenzulernen. Ihr könnt lernen, Euch zu entspannen. Ihr könnt erfahren, gut aufgehoben zu sein und Euch in der eigenen Haut wohlzufühlen. Ihr lernt viel darüber, wie Ihr mit Euch umgeht und wie Ihr zukünftig lieber mit Euch umgehen möchtet. Shiatsu kann zu einem weiseren und liebevolleren Umgang mit sich selbst inspirieren. Es kann Euch aber auch kraftvoll zeigen, wo Herausforderungen liegen. Es kann Euch Schieflagen in Eurem Leben deutlich werden lassen und das Bedürfnis nach Veränderung wecken.Beschwerden, die häufig der Anlaß sind, Shiatsu auszuprobieren, erübrigen sich mit einer zunehmenden Ausgeglichenheit des Ki-Flusses und verschwinden, wenn sie nicht mehr "gebraucht" werden. Ich verstehe sie als Alarmsignale des Organismus, der, aus dem Gleichgewicht geratend, Aufmerksamkeit fordert und Veränderung. Wie alle Ki-Künste spricht Shiatsu Körper; Geist und Seele gleichermaßen an. Es hat beachtliche psychische Qualitäten. Über den direkten Körperkontakt, ja mehr noch Ki-Kontakt, werden Ebenen erreicht, die dem Kopf versperrt sind. Langsam, ehrlich und gänzlich ohne Forcieren oder Gewalt werden sie dem Bewußtsein zugänglich und der eigenen Verantwortung übergeben. Als Weg zur Bewußtwerdung hat Shiatsu eine starke spirituelle Dimension.

Es erreicht, wenn es entsprechend praktiziert wird, den Hauptstrom persönlicher Entwicklung. Dieser Weg kann von körperlichen Beschwerden flankiert sein, von Kummer und Zweifel, von emotionalen Schmerzen und psychischen Wachstumsstörungen... in all dem Wirbel oder all der Stagnation existiert ein Strom, der wahr und heil ist und zu dem man im Shiatsu Zugang finden kann, sofern man seiner Sehnsucht danach folgt.

Jede Behandlerin entwickelt im Lauf der Jahre ihren eigenen Behandlungstil. Shiatsu ist etwas sehr persönliches. Deshalb ist es wichtig, sich die passende Behandlerin zu suchen. Jemand kann durchaus ein gutes Shiatsu praktizieren und ist doch nicht der "Richtige". Siehe dazu auch "Die richtige Lehrerin finden"

Lebenskünste für Krebspatienten

Der Kontakt zu den eigenen heilen Stellen, ja das sinnlich überzeugende Erleben, auch noch heile und leuchtende, starke Seiten zu haben, ist, für einen krebskranken Menschen besonders wichtig.

Taiji und Qi Gong basieren zunächst einmal auf dem Konzept der Erhaltung der Gesundheit, damit schwere Störungen gar nicht erst Fuß fassen können. Dennoch gibt es immer mehr Menschen, die nach einer Krebserkrankung auf der Suche nach positiven Wegen bei Taiji oder Qi Gong landen. Es fördert ihr allgemeines Wohlbefinden nachdrücklich. Oft gibt es Impulse zur Versöhnung mit und zu neuem Vertrauen in den eigenen aus dem Gleichgewicht geratenen Organismus. Die Übenden lernen einen ruhigen, heiteren und liebevollen Umgang mit sich, und kommen in Kontakt zu starken, positiven Kräften, die Hoffnung nähren und Heilung begünstigen.

Sie fühlen sich wieder (oder ganz neu) wohl in ihrer Haut, und machen angenehme Erfahrungen mit dem eigenen Körper, der zuvor als "Versager" erlebt wurde. Im gewissen Sinne finden sie ihre Unversehrtheit wieder. Aspekte der Persönlichkeit und des Geistes werden angesprochen und bestärkt, die helfen Leid zu wandlen und zu integrieren. Eine positive Grundstimmung bekommt Rückenwind. Sie erfahren Inspiration, ihr Leben neu einzurichten, bekommen Ideen, was ihnen guttut und was nicht. Es gibt gute, ja beeindruckende Erfahrungen, die bis jetzt wenig erforscht und verstanden sind, die aber durchaus Anlaß sein können, sich voller Hoffnung auf den Weg zu machen und dem Wunderbaren die Hand hinzu halten. Ein Heilungsversprechen gibt es allerdings nicht.

Auch für Angehörige gibt es im Taiji oder Qi Gong Ruhe und Kraft zu holen. Aus Berichten mancher Schüler weiß ich, wie sehr sie in belasteten Situationen, z.B. bei schweren Erkrankungen in der Familie, innerlich auf stärkende Erfahrungen aus dem Taiji/Qi Gong zurückgreifen konnten, die ihnen halfen, den Mut nicht zu verlieren, immer wieder zu sich selbst zu kommen und die Herausforderung zu anzunehmen.

Krebskranke, die sich in medinzinischer Behandlung befinden, können im Shiatsu eine zusätzliche liebevolle Begleitung finden, die so etwas wie einen roten Faden elementarer positiver Erfahrung schenkt. Gerade wenn die medizinischen Maßnahmen einem Menschen viel abverlangen, kann ein sensibles Shiatsu einen Ausgleich bieten, der behütend, gewährend und bergend ist. Die Berührung im Shiatsu kann elementar trösten und erfreuen. Ich habe eindrucksvoll erlebt, daß die Nebenwirkungen der Chemotherapie Linderung erfahren. Der Lebensmut und die eigenen Selbstheilungstendenzen werdem vom Shiatsu unterstützt. Ein schonungsvolles, haltendes Shiatsu kann dem Organismus tiefe Erholung schenken. Angesichts des Aspekts, daß Shiatsu die behandelte Person sich selbst nahe bringt, kann es eine ausgezeichnete Hilfe sein, in einem Krebsprozeß die richtigen segensreichen Entscheidungen zu treffen.

Shiatsu stärkt und versöhnt mit dem Organismus und bringt den Menschen in Kontakt mit dem tiefen Fluß seiner heilen Aspekte. Shiatsu bestärkt positive psychische Grundlagen und gibt somit Boden, dem Geschehen zu begegnen. Es inspiriert, welche Lebensveränderungen notwendig sein könnten, um Gesundheit eine Chance zu geben. Und es kann helfen, das eigene Schicksal zu verstehen und anzunehmen. Da es Zugang zum Hauptstrom eines Lebensprozesses finden läßt, kann es auch einfach die Seele auf ihrem Heimweg begleiten. Wichtig ist, daß sich die Behandlerin wirklich prüft, was sie sich zutraut und wozu sie bereit ist. Eine solche Begleitung braucht einen erfahrenen, reifen Menschen,d er wach, zuverlässig und mit Fingerspitzengefühl und Herz auf einen anderen Menschen eingehen kann. Es versteht sich, daß ein relativ technisches, grobstoffliches, physisches Shiatsu nicht in Frage kommt. Für gut halte ich es, wenn Shiatsubehandler/in, Ärztin und andere Therapeuten voneinander wissen und am besten auch ein Kontakt besteht.

Die richtige Lehrer/in finden

Um sich auf einen Weg in die fernöstlichen Lebenskünste zu begeben, braucht man eine Lehrerin oder Lehrer, denn Taiji oder Qi Gong kann man nicht aus Büchern lernen, man muss es erfahren. Im Gegensatz zur Schule ist "abgucken" und "nachmachen" geradezu erwünscht. Einen guten Lehrer zu finden ist allerdings genauso leicht oder schwer, wie einen guten Arzt zu finden.

Laßt Euch nicht ins Bockshorn jagen: Ihr könnt als Laien durchaus entscheiden, was für Euch richtig ist oder eben nicht!

Alena Maria Schneider hat dazu folgende wichtige Gedanken: "Traditionsgemäß lernt man Taiji und Qi Gong, in dem man sich sorgfältig eine Lehrerin sucht, der man vertraut und deren Begleitung man dann langfristig in Anspruch nimmt. Das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ist ein menschlich anspruchsvolles Vertrauensverhältnis. Gemäß unserer westlichen Heransgehensweise wurde die Vermittlung von Taiji und Qi Gong heute vielerorts institutionalisiert. Man wendet sich also häufig nicht mehr an eine persönliche Lehrerin, sondern an eine Volkshochschule, Sportverein, Interessengemeinschaft. Ich finde ehrlich gesagt, man sollte sich durch Organisationen und Institutionen (gar mit hochtrabenden Namen) nicht allzusehr beeindrucken lassen, sondern sich die Mühe und Freude machen, sich die höchstpersönlich stimmige Person zu suchen, bei der man lernen möchte. Es gibt nicht DIE objektiv richtige Lehrerin und auch nicht DAS objektiv für alle richtige Taiji oder Qi Gong. Achtet auf die Atmosphäre, wenn Ihr eine Gruppe zum Ausprobieren besucht. Qi drückt sich stark in der Atmosphäre aus und Ihr dürft dem Gewicht beimessen, ob sie Euch sympatisch ist oder nicht. Traut Eurem Instinkt und laßt Euch nichts einreden. Was für Euch gut ist, kann für einen anderen Menschen grundverkehrt sein und umgekehrt.

Ich persönlich lege Wert auf ein Klima, das von Humor, Klarheit und Menschlichkeit geprägt ist. Außerdem schätze ich es, eigene Erfahrung vor äußere Belehrung zu stellen. Bei mir fühlt sich also niemand so sehr wohl, wer als erstes gern vieles theoretisch erklärt haben möchte. Sicher gibt es aber auch für dieses Person den passenden Lehrer. Gottseidank gibt es Vielfalt. Der menschlich persönliche Kontakt gehört zum typischen Klima im Frühlingarten, wie das Späße machen und miteinander lachen.

Behaltet Euch vor, Unterricht bei verschiedenen Personen zu erproben, um einen Vergleich zu haben. Und dann übernehmt die Verantwortung für Eure Wahl. Laßt Euch wirklich ein. Warnen würde ich vor Lehrern, die einen großen Kult um ihre Person machen, statt dass sie Euch in Eurem Lernen unterstützen und achten. Skeptisch wäre ich auch da, wo schnelle Ergebnisse versprochen werden. Sehr schnell verlasse ich persönlich den Unterricht, wo man mir meine Wahrnehmnung ausreden will oder wo man sich als allein selig machende Richtung verkauft. Sicherlich entdeckt ihr, wenn Ihr Euch zugesteht auf Euch zu hören, Eure eigenen Kriterien. Bitte nehmt sie ernst. Dann müßt Ihr auch keine Angst haben, Scharlatanen ins Netz zu gehen.

Auch im Shiatsu ist es wichtig, sich die passende Behandlerin zu suchen. Shiatsu ist etwas sehr persönliches und jede Behandlerin entwickelt im Laufe der Jahre ihren eigenen Behandlungsstil. Die eigene persönliche Entwicklung der Shiatsutherapeutin trägt viel zu ihrer Behandlungskunst bei. Ganz unkompliziert und mit gesundem Menschenverstand ausgedrückt: Wer Euch anfassen darf, muss Euch sympathisch sein und braucht Eurer Vertrauen. Wenn Ihr sicher sein wollt, dass Eurer Behandlerin eine fundierte Ausbildung absolviert und mit einer Prüfung abgeschlossen hat, könnt Ihr Euch an den Berufsverband, die Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland wenden. Sie schickt Euch eine Liste mit Therapeuten in Eurer Nähe. Es gibt aber durchaus Therapeuten, die dem Dachverband noch nicht angeschlossen sind. Der GSD-Stempel ist also nicht das A und O für gutes Shiatsu - aber eine gewisse Absicherung gegen halbgare Begleitung."

Anjas Kommentar - Erfahrungen einer Übenden

Ein Schüler fragt den Meister: Wie lange dauert es bis ich Taiji kann?
Sieben Jahre, antwortet der Meister.
Und wenn ich mich ganz doll anstrenge?, fragt der Schüler befliessen.
Dann dauert es 20 Jahre, spricht der Meister.

Taiji hat mich schon als Studentin fasziniert, die langsamen sehr ästhetischen Bewegungen drückten eine große innere Ruhe aus und zeugten gleichzeitig von hoher Konzentration. Im Medienzeitalter brachten das sogar Fernsehbilder 'rüber... Mein erster Versuch an der Uni ging prompt schief: die alte Baracke, welche Ort der Ausübung sein sollte, fiel nach der ersten Stunde in sich zusammen. Dies hatte natürlich nichts mit einem zuviel an studentischer Lebensenergie als vielmehr mit dem Mangel an Geld seitens der Universität zu tun.... Meinen zweiten Versuch startete ich kurz nach dem Ende meiner Strahlentherapie über einen Zeitungsbericht der damaligen Lehrerin. Der Kurs hat mir sehr geholfen und obwohl ich viel mehr Rücksicht auf mich und meine noch wacklige körperliche Verfassung nehmen mußte als die anderen Taiji-Teilnehmer, war ich erstaunt, wie gut es mir bekam. Vor allem die "Aufwärmübungen" aus dem Qi Gong waren eine sehr intensive Erfahrung. Mir schien es, als hätte ich überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben Kontakt zu meinem Atem erhalten. Ein ganz wunderbares Erlebnis. Und so konnte ich nach und nach meine "gebeutelten" Körperteile kennen- und schätzenlernen. Übrigens: manchmal rührt das Qi Gong auch an Emotionen und die eine und andere Stunde war ich reichlich gerührt und den Tränen nahe und das fühlte sich zwar ungewohnt, aber gut an!

Irgendwann wurde meine Taiji-Lehrerin krank - ja auch so etwas gibt es! - und ich mußte mir eine neue Lehrerin suchen. Ein ganz und gar nicht einfaches Unterfangen! Zumal es soviele Taiji-Formen gibt. Ich rief das Netzwerk Taijiquan an, durchstöberte regionale Kleinanzeigen etc. und probierte einige Lehrer und Orte aus, aber nichts sagte mir so Recht zu. Ein Vierteljahr lang suchte ich und gab dann einfach nach (aber nicht auf!). Ich hatte so ein Gefühl, daß eines Tages der oder die richtige zu mir kommen würde. Und so war es dann auch. Ein Jahr später gab mir eine Freundin das Branchenbuch für selbständige Frauen und ich - die eigentlich nach einer Steuerfachfrau suchte- fand meine neue Lehrerin. Und inzwischen ist wieder ein Jahr vergangen, Taiji hilft mir auf vielen Ebenen, besonders an den Tagen, an dem es mich eigentlich lieber zum Sofa zieht als in die Taiji-Gruppe, werde ich meistens belohnt und bin dann - im wahrsten Sinne des Wortes - jedesmal heilfroh, daß ich Taiji mache. Taiji ist etwas persönliches, aber auch die Stimmung in "meiner" Gruppe ist mir wichtig und so freue ich mich, daß die Mitübenden so heiter und beschwingt, ja geradezu liebevoll miteinander umgehen. Nämlich nicht nur der Lehrer sollte Euch sympathisch sein, auch Eure "Kollegen", denn ab und zu kann auch eine auch Partnerübung vorkommen, da ist es natürlich netter, es mit einem vertrauensvollen Menschen zu tun zu haben! Also guckt Euch um und berichtet 'mal, wie es Euch bekommen ist.

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Termine
Gesundheits-Selbsthilfe im 21. Jahrhundert 06.12.2017 16:00 - 19:30 — Sozialverband Deutschland e. V. – Bundesverband (SoVD), Stralauer Straße 63, 10179 Berlin
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Buchtipp

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Keimarm kochen

Rezepte und Empfehlungen für Menschen mit Immunsuppression. Rezepte für die Zeit nach einer Transplantation oder wenn aus anderen Gründen keimarm und dabei vitaminreich und schmackhaft gegessen werden soll. Alltagstaugliche Tipps zu Hygiene und keimarmer Zubereitung: "Brat es, koch es, back es oder vergiss es". Die Rezepte in diesem Buch wurden von Ärzten des Universitätsklinikums Würzburg überprüft. Stephan Klein: Keimarm kochen, ISBN 978-3-00-046852-0, 16,95 €


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