Therapiestudien gehören in den Bereich der angewandten Forschung, von der ein Krebspatient im Idealfall profitieren kann. In den Studien möchte man neue Behandlungsformen und neue Medikamente überprüfen, denn jedes in Deutschland neu zu gelassene Arzneimittel muss eingehend und zwar auch an Menschen überprüft werden.
Die Therapiestudien können die entscheidende neue Behandlung für die Patienten bedeuten, bei denen bisherige Therapien nicht angeschlagen haben. Ob Ihr an einer Therapiestudie teilnehmt, solltet Ihr Euch gut überlegen. Viele Patienten haben Angst teilzunehmen, denn bei neuen Therapiemethoden kann es auch unerwünschte, sogar bleibende Nebenwirkungen geben. Bevor Therapiestudien jedoch mit Menschen durchgeführt werden, wird die Wirkung der Mittel in Laboren und an Tieren getestet. Die Studien gibt es für vier verschiedene Phasen, von der Erprobung an einer kleinen Patientengruppe mit sehr experimentellem Charakter vor der offiziellen Zulassung eines Medikaments bis zu einer breiter angelegten Studie, die eine Therapie noch in den Einzelheiten nachbessern will. Im Internet werden Euch die Phasen I-IV auch immer wieder in den Suchmasken begegnen, deshalb in Kürze:
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Phase I: In der Phase I wird eine neue Behandlungsmethode für Krankheitsformen erprobt, für die es bislang noch keine andere befriedigend wirkende Therapie gibt. In dieser Phase wird untersucht, ob eine neue Substanz wirkt, wie sie gegeben werden soll und welches die optimale Dosierung sein kann. In dieser Phase ist das Risiko für die Patienten eher hoch, keiner weifl mit absoluter Gewissheit, ob die Behandlung auch wie erhofft günstig wirkt. Andererseits kann bei Erfolg der Phase I Patienten früher oder überhaupt erst geholfen werden. Phase I-Studien werden nur an einer kleinen Zahl von ca. 10-20 Patienten durchgeführt.
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Phase II: In dieser Phase werden die aus der Phase I gewonnenen Erkenntnisse vertieft und an einer gröfleren Patientengruppe (ca. 30-100) überprüft, um die Wirksamkeit sicherer nachzuweisen.
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Phase III: In dieser Phase wird getestet, wie die neuen Medikamente oder Behandlungsmethoden in Vergleich zu der Standardtherapie wirken. Auch die Kombination mit anderen Medikamenten oder Behandlungsformen, wie z.B. Strahlentherapien, werden untersucht. An diesen Studien nehmen viele Patienten (bis zu 1000) und mehrere Kliniken teil, weshalb man auch von Multicenter-Studien spricht. Die Teilnehmer werden für die Vergleiche in Gruppen eingeteilt (neue Methode und Standardbehandlung).
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Phase IV: Erst wenn ein Medikament zugelassen ist, werden die Therapiestudien der Phase IV durch die Behörden durchgeführt. In dieser Phase sollen breite Erfahrungen an bis zu 1000 Patienten in der alltäglichen Anwendung gesammelt werden. U.a. sollen seltene unerwünschte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Therapien erkannt und ausgeschlossen werden. Man spricht auch von Therapieoptimierungsstudien. In der Regel wird Euch Euer Arzt fragen, ob Ihr an einer klinischen Studie teilnehmen wollt.
Alle Studien werden in sogenannten Studienprotokollen erfasst, fragt nach diesen Zusammenfassungen. Studien findet Ihr im Internet am besten in sogenannten Studienregistern, bei den Fachgesellschaften und in den drei Kompetenz-Netzen. Die Studienergebnisse werden später in Fachartikeln veröffentlicht.
Aber auch die Informationen der Patienten und Angehörigen können wichtig sein. Sie tauschen sich in Krebs-Foren über ihre Erfahrungen aus. Eine geeignete Studie zu finden, ist gar nicht einfach. Das hat mehrere Gründe: zum einen ist im Internet nur ein Teil der Studien verzeichnet, zum anderen gibt es bestimmte therapeutische Voraussetzungen, die von seiten der Patienten erfüllt sein müssen, z.B. sollten die Patienten zuvor keine oder nur kurze Standardtherapien bekommen haben. Nicht jeder Patient kommt für eine Studie in Frage, denn zu den medizinischen Fragestellungen gehören ganz bestimmte Anforderungen.
Langzeit-Kohorten-Studie zu Krebs beginnt
Die Helmholtz-Gemeinschaft wird in den nächsten fünf Jahren für den Aufbau einer groß angelegten Langzeit-Kohorte fördern, um die Ursachen von Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und Demenzerkrankungen aufzuklären. 200 000 Menschen werden in dieser Kohortenstudie eingebunden und über zehn bis zwanzig Jahre begleitet.
Damit Krebs-Studien in Deutschland noch sicherer werden, hat die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. das "Studienhaus Onkologie" gegründet. Das Studienhaus Onkologie nimmt u. a. die Registrierung von Studien zur Behandlung und Diagnose von Krebserkrankungen im Deutschen Krebstudienregister vor. Online abrufbar. Das Studienhaus entwickelte sich aus einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt zur Verbesserung der Qualität von klinischen Studien und nahm Ende 1998 seine Arbeit auf.
Artikel im Ärzteblatt über Studie zu Darmkrebsrisiko und Zusammenhänge mit (fleischarmer) Ernährung. Links zum Artikel im Anhang, Abstract der Studie (englisch) im Journal of National Cancer Institute.
"Clinical trial" heisst eine Therapiestudie übrigens auf Englisch. Beachtet zu Medikamentenforschung auch das Thema in unserer Rubrik "Medikamente".
Krebsinformationsdienst
Der Krebsinformationsdienst hat gute und kritische Informationen zu Studien in der Krebsforschung.
Deutsches Krebsstudienregister
Das Register der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) ist zwar nicht vollständig, dennoch finden Sie hier eine große Anzahl von verschiedenen Krebs-Therapiestudien. Ihr können suchen: nach der Art der Therapiestudie, z.B. multizentrisch, nach der Krankheit, z.B. Prostatakrebs, der Therapieform, dem Studienleiter, dem Wirkstoff oder dem Studientyp (also den Phasen).
Cochrane Group
Um einen Überblick über die Vielzahl der Veröffentlichungen und Erkenntnissen aus Studien zu erhalten gibt es sogenannte "Reviews", also Zusammenfassungen und Vergleiche bestehender Arbeiten zu einem Thema (z.B. Brustkrebs).Bisher noch auf Englisch gibt es hier einige Reviews spezieller Arbeitsgruppen (z.B. zu Lymphomen), Erklärung der unterschiedlichen Qualitätsstufen von Studien (Evidenzlevel) sowie einen Überblick über Evidenzbasierte Medizin.
AIO
Die Arbeitsgemeinschaft für Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (AIO) sieht ihre wichtigsten Aufgaben in der Durchführung von klinischen Studien.
AUO
Die Arbeitsgemeinschaft für Urologische Onkologie informiert über Studien zu Krebs der Hoden, Niere, Blase und Prostata. Gut ist auch der Zugriff, zu den abgelehnten, abgebrochenen und beendeten Studien.
ADO
Die Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Onkologie kümmert sich um Studien vom Melanom bis zum Plattenepithelkarzinom.
KKS
Das KKS hat die Aufgabe, Planung, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung klinischer Studien zu unterstützen und eigene multizentrische Studien zu initiieren. Es gibt derzeit u. a. folgende Zentren: Leipzig, Mainz, Freiburg, Heidelberg, Marburg.
Fachgesellschaft, z.B.
Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
Kompetenznetze, z.B.
Kompetenznetz Leukämie
Klinische Studien zu akuten und chronischen Leukämien Kompetenznetz
Lymphome Klinische Studien zu Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphomen, CLL, gastrointestinale Lymphome
Tumorzentren, z.B.
Tumorzentrum München
Einige Tumorzentren, z.B. in München oder Jena, führen Studien durch. Eine Liste aller Tumorzentren gibt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren an.
Deutsches Krebsforschungszentrum
Auf der Website des DKFZ findet Ihr unter "Forschungsschwerpunkte und Abteilungen" die einzelnen Arbeitsbereiche, die von Diagnostik und experimenteller Therapie, Tumorzellregulation bis zur angewandten Tumorvirologie reichen. Studien und Studienergebnisse gibt es auf den Unterseiten oder auch über die Sitesuche auf der Startseite.
VFA
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) verlinkt auf seiner Website 40 forschende Arzneimittelhersteller. Klickt auf der Startseite auf "Forschung", dann auf "Forschungsschwerpunkte". Anschließend erscheint eine Liste von Krankheiten A-Z, in der Ihr unter K wie Krebs die Pharmaunternehmen findet, die zur Zeit in der Krebsforschung tätig sind.
Deutsche Kinderkrebsstiftung
Die Stiftung kümmert sich um Krebs bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, unterstützt Therapiestudien durch finanzielle Mittel und kann Kontakt zu diesen Studienzentren vermitteln. Auf ihrer Website gibt es unter "Forschung" Informationen dazu.
Deutsche Hirntumorhilfe
Gerade für Hirntumorpatienten können experimentelle Therapien entscheidende sein. Die Hirntumorhilfe weist unter "Studieninfo" auf Studien für Patienten mit bösartigen Gliomen hin.
Aktuelle Studie zu Brustkrebs - "TEACH"
der GlaxoSmithKline GmbH&Co. KG. Diese Studie wird international durchgeführt, in Deutschland an über 80 Studienzentren (Kliniken und niedergelassene Ärzte). Eine randomisierte, doppelblinde, multizentrische, Placebo-kontrollierte Studie zur adjuvanten Therapie mit Lapatinib bei Frauen mit ErbB2-überexprimierendem Brustkrebs im Frühstadium. Im Deutschen Krebsstudienregister kann man u a. nach dieser Studie recherchieren und natürlich auch weitere Brustkrebs-Studien finden.
Cancertrials (Englisch)
Cancertrials ist ein Angebot des NCIs, dem National Cancer Institute in den USA. Die Website erklärt klinische Studien und hat eine gut geführte Datenbank, in der Ihr u.a. nach Krebsart und Studienart suchen könnt. Klickt auf "finding trials" und anschlieflend auf "PDQ search form", was Euch eine Suchmaske öffnet.
Clinical Trials (Englisch)
"Linking patients to medical research", also Patienten mit der medizinischen Forschung zu vernetzen, ist das Ziel des amerikanischen National Institutes of Health, das eine umfangreiche Datenbank zu klinischen Studien entwickelt hat. Clinical trials enthält zu Krebs etwas mehr Studien als Cancertrials, beide werden ständig aktualisiert.
EORTC Clinical Studies (Englisch)
Die European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) kümmert sich um die Verbesserung der Krebstherapien. Unter "Protocolls" (Studienprotokolle), findet Ihr eine Datenbank, in der Ihr u.a. nach group, tumor site und treatment suchen können. Jeder Studie ist eine Nummer zugewiesen, auf die Ihr klicken müßt, um an das eigentliche Dokument zu gelangen. In "Patients Info" findet Ihr zudem eine Broschüre über klinische Studien als pdf-Datei. Hier der direkte Link zur Liste der Studien nach Tumorarten.
Eudract (Englisch)
Seit Mai 2004 gibt es diese europäische Datenbank über Medikamentenstudien der Pharmaunternehmen. Noch ist sie nur Aufsichtsbehörden und ähnlichen Einrichtungen frei zugänglich. Schaut trotzdem einmal auf die Site, vielleicht ändert sich auch mal etwas zugunsten der mündigen Patienten. Siehe auch den Artikel "Blockiertes Register" aus der ZEIT zum Thema Studien sind für Laien unerreichbar: http://www.zeit.de/2004/18/M-Studien-Register