Wisst Ihr nach welchen Kriterien Euer Arzt handelt? Was hat ihn bewegt, Euch eine ganz bestimmte Therapie vorzuschlagen? Durch das Internet können auch immer mehr Kranke Behandlungsrichtlinien nachvollziehen bzw. deren Einhaltung einfordern. Leitlinien beschreiben für die verschiedenen Krankheiten die aktuellen Therapiemöglichkeiten und unterstützen dadurch die Mediziner in ihren Entscheidungen.
- Leitlinien gibt es für die verschiedenen Krebserkrankungen online, oft entwickelt von der jeweiligen Fachgesellschaft.
- Leitlinien gibt es nicht nur für Diagnoseverfahren und Behandlungen, sondern auch für die Nachsorge.
- Leitlinien dienen der Qualitätssicherung Ihrer Behandlung.
Fragt also Euren Arzt, worauf seine Entscheidung für eine bestimmte Therapie fusst. Arbeitet er nach einer Leitlinie und welche ist es? Da Leitlinien nur einen empfehlenden Charakter haben und keine Gesetze darstellen, müssen sich Ärzte nicht unbedingt an eine konkrete Leitlinie halten. Es kann durchaus passieren, dass Ärzte an verschiedenen Krankenhäusern bei der gleichen Krankheit unterschiedlich behandeln. Weicht Euer Arzt von der aktuellen Leitlinie ab, sollte er Euch das allerdings begründen. Im Zweifel holt Euch eine weitere Meinung zu der geplanten Behandlung ein.
Cancernet "PDQ Behandlungsinformationen für Patienten"
Patientenorientierte Behandlungsrichtlinien von Analkrebs bis Zervixkarzinom liefert die Universitätsklinik Bonn. Sie hat das englischsprachige Cancernet ins Deutsche übersetzt.
Leitlinien zu Brustkrebs:
1. Die "Interdisziplinäre S3-Leitlinie: Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland". Sie dient gesunden Frauen und informiert über Nutzen und Risiken der Brustkrebsfrüherkennung.
2. Mit der "Interdisziplinären S3-Leitlinie für Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms" liegen Empfehlungen für die Behandlung von Brustkrebspatientinnen vor.
Für Patienten wurden diese Ärzteleitlinien übersetzt. Es gibt folgende Informationsbroschüren: Die Frauenleitlinie "Früherkennung von Brustkrebs - eine Entscheidungshilfe für Frauen" (Stand: Juni 2010) und die Patientinnenleitlinie "Brustkrebs. Die Ersterkrankung und DCIS" (Stand Februar 2010).
Hier direkt herunterladen:
oder bei der Deutschen Krebshilfe bestellen unter:
http://www.krebshilfe.de/patientenleitlinien.html
Tumorzentrum Hamburg e.V.
"Leitlinien geben für diagnostische, therapeutische oder andere medizinische Maflnahmen in definierten Situationen einen Handlungsrahmen an, der vom Konsens der Experten zum gegenwärtigen Zeitpunkt für angemessen gehalten wird", leitet die Hamburger Krebsgesellschaft die Leitlinien zum Mammakarzinom (metastasiert), duktales Carcinoma in situ, Kolon- und Rektumkarzinom. Interessant sind auch die Leitlinien zur Tumornachsorge
Krebsinfo
Auf der Website findet Ihr unter "Empfehlungen" die Manuale des Tumorzentrums München. Diese Manuale enthalten Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge verschiedener Krebsarten von gastrointestinalen Tumoren bis Zervixkarzinom. Krebsinfo basiert auf Publikationen der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und des Tumorzentrum München.
Leitlinien für Hämatologie und Onkologie
Auf der Website der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften) findet Ihr Leitlinien für diverse Krebserkrankungen. In der Rubrik "Leitlinien" könnt Ihr ausführlich in den "bestehenden Leitlinien" stöbern.
Einzelne Leitlinien findet Ihr auf den Websites der Fachgesellschaften, z.B.: Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für Immunologie, Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Urologie, Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, Deutsche Gesellschaft für Pathologie, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie, Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) und Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie.
Tumorzentren
Über die Arbeitsgemeinschaft der Tumorzentren kommt Ihr zu den verschiedenen Tumorzentren, die auch Leitlinien entwickeln, z.B. das Tumorzentrum Jena.
Der "Arbeitskreis Supportive Maßnahmen der Onkologie" (ASO) der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. wurde 1996 als interdisziplinäres Arbeitsforum gegründet und beinhaltet derzeit folgende Arbeitsgruppen: Emesis, Ernährung, Hämatopoetische Wachstumsfaktoren, Lebensqualität, Schmerztherapie/ Palliativmedizin und Zytoprotektion. Eine leichtverständliche Patienteninformation gibt allgemeine Informationen zu Nebenwirkungen in der Strahlentherapie. Es werden Hinweise für die Pflege gegeben.
Leitlinien für die Onkologie
Wer kontrolliert die Leitlinien, überwacht den Aufbau? Diesem Thema widmet sich die Zentralstelle der ärztlichen Qualitätssicherung. Sie hat sozusagen eine Leitlinie zu den Leitlinien entwickelt.
Konsensuspapiere
Medizinische Konsensuspapiere werden von Ärzten und ihren Fachgesellschaften herausgegeben und sind das Ergebnis einer Konsensuskonferenz, auf der neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Therapien bei unterschiedlichen Verläufen und Stadien diskutiert und differenzierte Empfehlungen formuliert werden. Für Brustkrebs gibt es z.B. das Konsensuspapier von Gravenbruch über die adjuvante (=unterstützende) Therapie des Mammakarzinoms. Gebt in den Suchmaschinen z.B. Konsensuspapier und die Krebsart ein. Pharmaunternehmen und Fachgesellschaften haben online oft einen Auszug aus dem jeweiligen Papier. Einige Fachgesellschaften setzen sie mit Leitlinien gleich, z.B. die Deutsche Gesellschaft für Senologie (Brust).