INKA - das Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige
INKA - www.inkanet.de
Über inkanet.de - Förderverein - Hilfe - Pinnwand
Das Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige

aktualisiert: 08.12.2011
Hier seid Ihr: Home > Therapien & Untersuchungen > Hochdosischemo > Nebenwirkungen
 
 
Krebstherapie


Hochdosis-Chemotherapie - Nebenwirkungen

Die Patienteninformation des Robert-Bosch-Krankenhauses hat dazu folgenden Passus:
Die Chemotherapie wird zur Verminderung von unerwünschten Nebenwirkungen mit zusätzlichen Medikamenten kombiniert. Trotz dieser vorbeugenden Massnahmen können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten, welche sich oft nicht von Komplikationen durch die Erkrankung selber abgrenzen lassen. Es ist unmöglich vorauszusagen, ob bei Patienten während der Behandlung alle, einige oder keine der nachfolgend erwähnten Nebenwirkungen auftreten werden. Zusätzlich besteht immer das Risiko, dass ungewöhnliche oder hier nicht erwähnte Nebenwirkungen auftreten. Generell ist das Risiko bei einer intensivierten Chemo leicht höher als bei der Standard-Therapie. Es ist möglich, dass die Nebenwirkungen zu einem längeren Spitalaufenthalt oder gar zum Tod des Patienten führen.

Speziell der letzte Satz ist nicht besonders ermutigend. Behandelt die negativen Statements wie den Beipackzettel in einem Medikament: es ist schon mal aufgetreten, aber es muss nicht bei Euch auftreten. Am meisten gefürchtet aber eigentlich am besten zu ertragen ist der Haarausfall. Er entsteht, da die verabreichten Medikamente auf sich schnell teilende Zellen (Tumorzellen) wirken und diese abtöten. Da auch die Haarzellen zu den schnell teilenden Zellen gehören, werden sie mit geschädigt. Nach Beendigung der Therapie braucht der Körper 3 bis 6 Monate, bis der Haarflaum wieder zu spriessen beginnt. Deckt Euch frühzeitig mit lustigen Kopfbedeckungen ein oder geht zum Frisör eures Vertrauens (möglichst noch mit Haar, falls ihr möglichst natürlich aussehen möchtet). Fragt einfach bei eurem Frisör nach. Die Krankenkassen zahlen einen Satz dazu, hakt nach, wieviel.

Auch die sehr gefürchtete Übelkeit ist nicht das Schlimmste. Es gibt für jede Nebenwirkung unterschiedliche Medikamente - so dass Alternativen bestehen, wenn ein Medikament nicht wirkt. Wichtig ist, mit den Schwestern darüber zu reden, was man empfindet. Die geben diese Informationen weiter und können in Absprache mit dem Arzt Medikamentenkombinationen verändern. Traut ruhig Eurem Körper, niemand sonst kann Euch vorschreiben, was Ihr fühlt. Ein "das kann nicht sein" ist keine korrekte Umgangsform, denn Ihr würdet es nicht empfinden, wenn es nicht sein könnte. Manche Patienten haben eine größere Lichtempfindlichkeit, hier hilft die Sonnenbrille (wirkt cool!).

Nicht zu unterschätzen ist der ungewohnte Krankenhaus-Ablauf. Frühes Aufstehen, fremdbestimmtes Handeln, Essenszeiten, wenn man keinen Hunger hat. Das zehrt oft an den Kräften. Versucht aber, einen für Euch akzeptablen Rhythmus zu finden, auch wenn das bedeutet, dass man nach dem Frühstück wieder schlafen geht. Mitpatienten werden das verstehen. Und die Zeit zu Hause nutzt einfach für Euren eigenen Rhythmus. Legt Euch auch einen kleinen Vorrat an leckeren Säften und Dauerlebensmitteln an (Kekse), falls ihr nachts Hunger bekommt. Durch die Medikamente und deren intensive sowie anhaltende Verabreichung kann es zu Konzentrationsschwierigkeiten kommen. Amerikanische Patienten haben da den sehr treffenden Ausdruck "Chemo-Brain" für gefunden. Man fühlt sich einfach "blöd" und kann sich nichts merken. Das macht anfangs ein wenig Angst, ist aber kein Dauerzustand. In Reha-Kliniken (Anschlussheilbehandlung) gibt es gute Kursangebote, wie man diesem Zustand entgegen wirken kann (Konzentrationsübungen). Auch während der Therapie gibt es Möglichkeiten: Kreuzworträtsel unterschiedlicher Schwierigkeit und für Anspruchsvolle die Trainer-Serie von PM (Logik-Trainer). Aber nicht unter Druck setzen, es ist nicht schlimm, wenn man für ein Rätsel einen ganzen Tag benötigt.

Einer der irritierendsten Erfahrungen ist der Verlust von Geschmacksvermögen. Das kommt, weil die Geschmacksnerven auch zu den schnell-teilenden Zellen gehören. Alles schmeckt gleich, die Speisen unterscheiden sich nur durch Konsistenz. Hier kann man Essverhalten beeinflussen: welche Konsistenz mag ich heute? Chips sind z.B. nicht mehr salzig, sondern trocken/ krümelig und hinterlassen einen fettigen Film im Mund. Eis macht viel Spaß zu dieser Zeit. Wenn der Geruchssinn funktioniert, riecht lange an den Speisen (besonders Äpfeln und Gemüse) bevor ihr sie esst. Krankenhausessen kann zu diesem Zeitpunkt auch eine Bürde sein, denn es riecht scheusslich und hat eine sehr homogene Konsistenz und oftmals keine sehr hohe Temperatur. Wenn möglich, lasst Euch bekochen oder leckere Dauerlebensmittel mitbringen. Aber Vorsicht: geöffnet muss etwas am gleichen Tag gegessen werden, ihr seid nicht in der Lage mit Bakterien fertig zu werden. Deshalb: kein Risiko eingehen.

Durch den Geschmacksverlust kann eine Appetitlosigkeit entstehen. Dadurch und durch die Tumoraktivitäten verliert man möglicherweise Gewicht. Wenn man unter ein bestimmtes Gewicht fällt, wird Nahrung und Mineralstoffe durch Nahrungsergänzung/ Ersatz zugeführt. Das hat den Vorteil, dass man nicht mehr zu Essen braucht. Bei zu langem Einsatz besteht hier die Gefahr, dass man mit Essen überhaupt nichts mehr anfangen kann und keines zu sich nimmt. Zwingt Euch nicht, aber erinnert Euch an Dinge, die Ihr mal gerne gegessen habt. Denn auf dem Weg zur Gesundheit ist es wichtig, wieder Essen zu wollen und zu können. Es gibt verschiedene Ansätze zur Ernährung bei Krebs, schaut auch mal in die chinesische, die makrobiotische, anthroposophische, Vollwert oder die ayurvedische Gesundheitsküche.

Wenn Ihr Schmerzen bekommt - das kann Tumorschmerz sein, aber auch durch langes Liegen bedingt - sprecht unbedingt mit Eurem Arzt. Manchmal hilft schon gezielte Bewegung oder Massagen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit Morphium oder ein anderes Schmerzmittel zu bekommen. Keine Angst davor, es besteht nicht die Gefahr einer Abhängigkeit. Schaut auch unter Schmerz bei INKA.

Auch die Haut wird möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen. Das fühlt sich an wie ein Sonnenbrand, nach dem sich die Haut ablöst. Gegen Juckreiz helfen Öle oder Lotionen. Ein Vorteil daran ist auch, dass man jemanden Bitten kann, den Rücken einzureiben. Und eine Beschäftigung mit dem eigenen Körper kann zu einem schönen Ritual werden.

Mit der Zeit können (müssen nicht) die Nägel ausgehen. Sie hören einfach auf zu wachsen, dadurch entsteht eine Lücke im Nagel. Wenn dann wieder Nagel produziert wird, schiebt sich diese Lücke hoch und irgendwann fällt der alte Nagel ab. Das ist nicht schmerzhaft, kann aber nervig sein - besonders bei Fussnägeln.

Ebenfalls können Entzündungen im Mund auftreten. Leichte Spülungen mit Kamille oder Salbei schaffen Linderung. Oder Ihr nehmt leichte Salben als Schmerzmittel. Einfach ausprobieren und mit dem Arzt dies besprechen.

Übrigens - der Krebsinformationsdienst hat zum Thema Nebenwirkungen zahlreiche Informationen zusammengestellt.

Durch die Nahrungsergänzung/ Ersatz und die Medikamente habt ihr möglicherweise Durchfall. Das wird genau beobachtet und ständig auf Pilze und Bakterien untersucht. Solange alles "in Ordnung" ist, müsst Ihr einfach damit umgehen - Hausmittel wie Salzstangen, Apfel und Tee sind gut, ab und zu ein Durchfallmittel.

Viele Patienten klagen nach einer Chemotherapie über Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration. Der unmittelbare Zusammenhang mit der Chemotherapie ist ihnen jedoch nicht bekannt, sodass unnötig Sorgen und Ängste entstehen. Bei den Aufklärungsgesprächen über eine Chemotherapie wird diese Nebenwirkung, da sie wenig erfassbar ist, oft nicht genannt. In der deutschen Sprache gibt es noch keinen Begriff hierfür, in den USA setzt sich seit dem vergangenen Jahr der Begriff Chemo-Brain durch. Hierzu hat die HABICHTSWALDKLINIK, Abteilung Onkologie wichtige Informationen zusammengetragen.
Die American Cancer Society bietet zahlreiche Links an. (Eingabe Suchwort "Chemo brain").  Ein Link zu diesem Thema "Seeking Solutions to "Chemo-Brain" - What Causes It? Who's at Risk?



 
 
  Austausch
Inka-Pinnwand



Über inkanet.de | Team | Presse | Impressum | Kontakt
Copyright © Theodor Springmann Stiftung 1996-2012 Alle Rechte vorbehalten