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aktualisiert: 08.12.2011
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Krebstherapie


Hochdosis-Chemotherapie - Durchführung

Eine Patienteninformation des Robert-Bosch-Krankhauses beschreibt folgende Phasen:
Die intensive Behandlung beginnt mit einer relativ milden Chemotherapie, welche zum Ziel hat, den Hauptteil der Tumorzellen zu vernichten (Phase 1). Die anschlieflend noch verbleibenden, resistenten Zellen erfordern erfahrungsgemäfl eine intensive Therapie, weshalb bei der weiteren Behandlung (Phase 2 bis 5) verschiedene Zytostatika in hohen Dosierungen verabreicht werden. Die intensivste Therapie wird in Phase 5 verabreicht. Die intensive Behandlung wird teils ambulant, teils stationär durchgeführt (mehrere unterschiedlich lange Spitalaufenthalte). Die gesamte Behandlungsdauer beträgt je nach Verlauf 3-5 Monate.

Die Verabreichung der Hochdosis-Chemotherapie selbst wird stationär, d.h. im Krankenhaus, durchgeführt (Dauer 1 -4 Tage). Das hat den Vorteil, dass Eure Ärzte auf besondere Befindlichkeiten schnell reagieren können. Wenn die Thrombozyten sich wieder erholt haben, könnt Ihr wieder nach Hause gehen und zwischen den Phasen (1-5) dann auch je nach Gesundheitsstand zuhause bleiben. Nach jeder Phase reagiert nach einer Weile das Immunsystem: Die Leukozyten und Thrombozyten fallen stark ab. In dieser Zeit seid Ihr sehr infektanfällig und oft mufl der Patient dann für eine Weile im Krankenhaus bleiben.

Wenn die Werte unter ein bestimmtes Limit fallen, werdet Ihr "isoliert". Eher regel. Was für Euch vielleicht wie eine Strafe klingt, ist lediglich eine Schutzmaflnahme, um das Risiko der Infektion zu reduzieren. Konkret heiflt das, dass die Raumluft gefiltert wird und Eure Besucher sich vorher desinfizieren müssen. Manchmal liegt Ihr sogar mit mehreren "Isolierten" zusammen, ganz allein müflt Ihr also gar nicht sein! Diese Isolation dauert solange, bis sich die Werte wieder erholt haben. Danach könnt Ihr wieder nach Hause gehen und Kraft sammeln für die nächste Therapie-Phase.

Achtung Frauen: Euer Zyklus wird komplett ausgesetzt, um zu verhindern, dass während einer Neutropenie (wenn die Thrombozyten auf 0 sind) die Blutung einsetzt und Ihr zu viel Blut verliert. Ihr könnt in der Hochdosis eigentlich keinen Tropfen entbehren. Das kann entweder durch Hormondepot (subkutan unter die Haut Spritze) unter der Haut als auch durch Tabletten erfolgen. Besprecht das mit Eurem Arzt. Normalerweise reguliert sich der Zyklus nach der Chemo wieder, aber es kann auch bis zu 3 Jahren dauern. Lasst Euch über Hormonpräparate aufklären und setzt Euch nicht selbst unter Druck. In Absprache mit dem Arzt können auch vor Beginn der Therapie Eizellen zur späteren Befruchtung entnommen und eingefroren werden.

Achtung Männer: Ebenso frieren Männer ihr Sperma in einer Samenbank ein (bestes Beispiel: Lance Armstrong bekam nach seiner Krebs-Therapie dank des vorher gewonnen und gefrorenen Spermas zwei Kinder!).

Die Ausscheidung (Urin) ist noch ein heikles Thema. Während Ihr die Chemo bekommt, werdet ihr angehalten, die Ausscheidungen genau zu dokumentieren. Darum muss man zu der Zeit in einen Messbecher "pinkeln", um die Menge festzustellen. Das ist anfangs irritierend, man gewöhnt sich aber ganz schnell daran. Denn alles was hineinläuft (per Infusion oder auf normalem Wege), muss auch wieder raus. Nicht zuletzt ist das Bild ganz gut, die "Nieren" ständig zu spülen, damit sich weder Medikamentenreste dort sammeln noch die abtransportierten Tumorzellen. Deshalb trinkt auch soviel wie Ihr könnt. Das ist manchmal nicht leicht. Aber es ist zu Schutz Eurer Organe. Manchmal sind die Nieren etwas müde und scheiden nicht so schnell aus, dann bekommt man ein Medikament (Lasix)zur Unterstützung zum Wasserlassen (miktieren gehen). Das Mittel wirkt so gut, dass man sich besser einen Platz neben der Toilette sucht. Nach der Therapiegabe wird das Medikament wieder abgesetzt. Achtung Urin verfärbt sich Grün oder Orange (je nach Mittel). Ein Beispiel dafür ist in der Schweizer Medizinischen Wochenschrift belegt.

Bevor die 5. Phase beginnt, wird ein hormonhaltiges Mittel gespritzt (Neupogen) und damit werden die neu gebildeten Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut gewaschen. Der Vorgang des "Waschens" heisst übrigens "Leukapherese". Zur Stammzellgewinnung werden die Zellen aus dem Blut gewonnen (gewaschen) und eingefroren, damit sie Euch später wieder gegeben werden können. Das Neupogen kann heftige Knochenschmerzen verursachen. Dies ist ein gutes Zeichen, da es die Produktion der Knochenzellen anzeigt. Jedoch gibt es für diese Schmerzen Schmerzmittel - sprecht mit den Schwestern und dem Arzt darüber! Zur Zellgewinnung wird man mit etwas dickeren Kanülen in jedem Arm an ein Dialyse-ähnliches Gerät angeschlossen. Das Gerät filtert das gesamte Blut (10 Liter) durch und wäscht die erwünschten Stammzellen heraus. Das kann bin zu 3 Sitzungen dauern (an mehreren Tagen). Während der "Wäsche" sollte genügend getrunken werden, es ist recht anstrengend für den Körper. Nebenbei sind Gespräche mit anderen Patienten möglich, in manchen Kliniken werden Filme gezeigt oder Musik gespielt. Auch Gesunde können ihre Stammzellen spenden (für Fremdspender winkt Geld!). Allerdings müssen deren Werte top sein. Das Plasma wird unter dem Mikroskop untersucht, ob genügend Zellen enthalten sind, anschlieflend gleich eingefroren und bis zum Tag der Rückgabe gelagert.

Die Patienteninfo des RBK sagt:
Zur Vermeidung einer irreversiblen Schädigung des Knochenmarks erhalten die Patienten nach der Chemo ihre eigenen, vorher gesammelten Blutstammzellen zurück. Viele Zytostatika bewirken nämlich neben einer Abnahme der Tumorzellen auch, dass diese Blutstammzellen aus dem Knochenmark ins Blut geschwemmt werden. Dieser Effekt wird unterstützt durch eine hormonähnliche Substanz, welche nach der Chemotherapie für einige Tage unter die Haut gespreizt wird. Die Stammzellen können mit Hilfe eines maschinellen Verfahrens aus dem Blut gesammelt und anschlieflend bis zur späteren Rücktransfusion aufbewahrt werden. Die Rückgabe erfolgt, wenn die intensive Chemo (nach 5. Phase) beendet ist. Die Krebszellen sollten alle vernichtet sein und das Immunsystem könnte sich selbst nicht mehr regenerieren. Es ist eine sehr risikoreiche Situation, jedoch durch die professionellen Ärzte ist das Risiko annehmbar.

Details zur Hochdosis gibt auch der KID.

Durch den permanenten Port wird, wie eine normale Infusion das Stammzellen-Konzentrat zurückgegeben. Als Reaktion kann ein starker Husten oder Schüttelfrost auftreten, was an dem "Frostschutzmittel" (Dimethylsulfoxid=DMSO) liegt, das den Stammzellen beigemengt ist. Diese Nebenwirkung muß aber nicht auftreten. Was man allerdings wahrnimmt, ist ein strenger Geruch nach Knoblauch oder Zwiebel. Das ist nicht beunruhigend, lässt eher Platz zu Scherzen mit den Ärzten, was die Situation entspannt.

Nach der Rückgabe suchen sich die körpereigenen Stammzellen ihren Weg durch das Blut zurück ins Rückenmark und beginnen mit ihrer Arbeit, das Immunsystem wieder aufzubauen. Es wirkt beruhigend, wenn man sich an dieser Stelle bildlich vorstellt, wie die fleißigen und gesunden Stammzellen ihren Weg durch den eigenen Körper finden. Jetzt sind jeden Tag ganz kleine Erfolge zu sehen, wenn die Begleiterscheinungen mit der Zeit abnehmen. Vor Abstossungs-Reaktionen müsst Ihr bei dieser Therapie keine Angst haben, denn es sind ja Eure eigenen Zellen, die wirken. Also auch Eure eigene Energie!



 
 
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