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aktualisiert: 27.01.2010
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Seminar "Töchter und Söhne krebskranker Eltern"
DVD: Krebskranke Frauen und ihre Kinder
 
Kinder krebskranker Eltern

Meine Mutter/mein Vater ist an Krebs erkrankt bzw. gestorben. Wie fühle ich mich seitdem? Ein Beitrag von Ulla Steger

Kinder krebskranker Eltern sind in einer besonders schwierigen Situation. Sie erfassen die Bedrohung durch die Erkrankung ihrer Eltern auch mit jungen Jahren intuitiv und trotzdem wird mit ihnen wenig gesprochen: Die Eltern sind sehr mit eigenen Ängsten und Belastungen beschäftigt. Die Kinder spüren das und trauen sich oft nicht, ihre Fragen zu stellen und haben nur selten Gelegenheit, die Behandler (Schwestern, Ärzte, psychosoziale Mitarbeiter) kennen zu lernen und dort ihre Fragen beantwortet zu bekommen.

Typische Fragen von Kindern zur Erkrankung ihrer Eltern sind:

  • Ist es Krebs?
    Die Diagnose wird oft umschrieben, um das Kind zu schonen, dadurch hört es von anderen, z. B. von Klassenkameraden auf wenig einfühlsame Art und Weise, dass die Mutter/der Vater an Krebs erkrankt ist.


  • Stirbt die Mutter/der Vater daran?
    Kinder kennen die Verbindung von Krebs und Tod. Es hilft ihnen, auf Menschen aus ihrem Umfeld aufmerksam gemacht zu werden, die ihre Krebserkrankung überlebt haben. Davon gibt es viele, die aber oft kaum wahrgenommen werden, wenn nicht explizit darüber gesprochen wird, z. B. die Nachbarin, die vor 20 J. Brustkrebs hatte, der Mitschüler, der Leukämie hatte etc. Hierhin gehört je nach Prognose auch die Aussage, dass Krebs tödlich ausgehen kann, dass aber alles getan wird, um die Krankheit zu heilen bzw. ein langes Leben damit zu ermöglichen.

  • Bin ich / ist der Vater oder ... Schuld an der Erkrankung?
    Genauso wie wir Erwachsenen haben Kinder den Wunsch, Erklärungen und Ursachen für die Krankheit zu finden. Dazu gehören fast immer Schuldzuweisungen. Hier sind medizinische Aussagen hilfreich, dass Krebsentstehung nichts mit dem Verhalten des Kindes bzw. Streitigkeiten mit dem Vater etc. zu tun hat.

  • Ist Krebs ansteckend?
    Darf ich meine Mutter umarmen, darf sie mir einen Kuss geben? Diese Gedanken kommen oft aus dem Umfeld des Kindes (Schule, Nachbarschaft).

  • Bekomme ich auch Krebs?
    Hier kann dem Kind gesagt werden, dass sein Risiko an Krebs zu erkranken, nicht größer ist als bei anderen Menschen. Bei einer möglichen oder erwiesenen genetischen Disposition zu dieser Erkrankung ist es sinnvoll, die Fragen dazu zusammen mit dem behandelnden Arzt altersentsprechend zu beantworten.

Für die Kinder ist es hilfreich, wenn sie wissen, dass sie selbst auch mit ihren Freunden über die Krankheit mit den damit verbundenen familiären Veränderungen und Sorgen reden dürfen und es kein Tabuthema mit Außenstehenden ist. Erfahrungsgemäß reden sie allerdings insgesamt wenig mit anderen, die sich ihre Situation gar nicht vorstellen können und am liebsten mit Kindern, die ihre Situation aus eigener Erfahrung kennen. Auch die Hauptbezugspersonen wie Erzieher, Lehrer und Eltern von den engen Freunden der Kinder sollten informiert sein, damit sie ein verändertes Verhalten der Kinder einordnen und für sie da sein können.

Ein sehr häufig auftretendes Konfliktthema zwischen Eltern und Kindern hängt mit einer Enttäuschung der Eltern über das Verhalten ihrer Kinder zusammen: Eltern wollen zwar ihre Kinder durch ihre Krankheit nicht belasten und sind traurig, dass sie das nicht verhindern können. Gleichzeitig beklagen sie oft fehlendes Mitgefühl bei ihren Kindern. Zum Beispiel leidet die Mutter unter Übelkeit durch die Chemotherapie. Ihr Kind will sich jedoch mit Freunden treffen, laute Musik hören, zu einer Party gehen. Das erscheint den Eltern manchmal gefühllos. Dabei ist dieses Verhalten für die Kinder oft dringend nötig, um das Gefühl zu haben, normalen altersgemäßen Alltag erleben zu können und sich altersgemäß verhalten zu dürfen. Es schützt sich damit vor Überforderung und der Isolierung von Gleichaltrigen. Es ist gut, ihm diesen Entwicklungs- und Schutzraum zu ermöglichen und manchmal Kompromisse auszuhandeln (z. B. phasenweise die laute Musik bei den Freunden zu hören, nicht zu Hause).

Die Eltern haben für ihre Kinder eine wichtige Modellfunktion, gerade auch in Krisenzeiten: Es tut den Eltern und den Kindern gut, wenn die Eltern gut für sich selbst sorgen und sich Hilfe und Entlastung holen, z. B. in der Selbsthilfegruppe, in einer Psychotherapie, mit einer Kur, mal mit einer Krankschreibung als überlasteter erschöpfter Partner oder als Erkrankter nach Abschluss der Behandlung. Neben der wichtigen Modellfunktion werden die Kinder dadurch entlastet und das Risiko einer „Parentifizierung“ verringert. Parentifizierung bedeutet, dass Kinder in eine Art Elternrolle gegenüber den Eltern geraten und sich für deren Wohlergehen verantwortlich fühlen. Dies ist immer eine Überforderung für Kinder.

Deshalb ist es für die Kinder wichtig, dass ihre Eltern sich die Unterstützung, die sie nötig haben, von anderen Erwachsenen holen. Das gilt auch für die Betreuung und Versorgung der Kinder: Wenn die Eltern phasenweise wenig Kraft für die Kinder haben, ist es sinnvoll, andere Familienangehörige, Freunde oder Familien von befreundeten Kindern um aktive, konkrete Hilfe zu bitten bzw. deren Angebote auch anzunehmen.

Teilnehmer gesucht für eine wissenschaftliche Studie: Auswirkungen einer elterlichen Krebserkrankung auf das Befinden der Kinder und Jugendlichen
Diese Studie wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert und wird bis zum September 2011 laufen. Ziel der Studie ist es herauszufinden, wie Jugendliche die Belastung einer elterlichen Erkrankung verarbeiten und welche Hilfsmöglichkeiten diese Jugendlichen unterstützen können. Kontakt: Tel. 0351/4583818 weitere Infos: Projekt BelaJu/Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden

Deutsche Kinderkrebsstiftung
Die Bonner Stiftung hat in vielen Bundesländern und Städten Elterngruppen und kann umfangreiche Bücher, Broschüren so wie kompetente Beratung bieten.

Stiftung PHÖNIKKS  (Hamburg)
Psychosoziale Beratungsstelle für krebskranke Kinder und ihre Angehörigen in der Stiftung Phönikks 
Die regionale Stiftung gibt psychologische und sozialrechtliche Beratung auch für junge Leute bis Mitte 30, Spielnachmittage für Geschwister. Ihr findet dort eine liebevolle und geschützte Atmosphäre. Eine Kindergruppe für Kinder krebskranker Eltern findet regelmäßig statt. Dieses Angebot ist kostenlos.

"Kindersprechstunde" des Vereins Lebensmut e. V., München
Es werden Familien mit Kindern betreut, in denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist. Angesiedelt ist die Sprechstunde im Bereich Psychoonkologie der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums München. Der Verein Lebensmut e. V. ermöglicht bis zu zehn Sitzungen für die Patienten. Kinder, die eine langfristige Betreuung benötigen, werden an entsprechende geschulte Kollegen weitervermittelt.

http://www.kinder-krebskranker-eltern.de
 Flüsterpost e.V. ist eine Beratungsstelle zur Unterstützung von Kindern krebskranker Eltern. Sie bietet Information, Beratung und Begleitung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und
Ein Forum für Kinder und Jugendliche ist eingerichtet.  Außerdem können betroffene Kinder und Jugendliche ihre selbstgemachten Bilder, Texte, Fotos, ...auf der speziellen Bildergalerie-Seite veröffentlichen! 

MediZity
Eine Medizinstadt für Kids im Internet! MediZity ist ein Projekt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Hier sind verständliche Informationen über Körper, Gesundheit und Krankheit zu finden! Es werden schwierige Inhalte aus dem Bereich der Medizin kindgerecht erklärt. Ein Forum bietet Kontakt zu anderen. Auch sind Links, Buchtipps zu allen medizinischen Themen und Selbsthilfegruppen zu finden.

Eine Erzählung, die das Thema Krebs kindgerecht aufbereitet, gibt es gegen 3,- DM Rückporto bei Prof. Dr. Gerhard Trabert "Krebs - wie sage ich es meinem Kind?": Karolingerstraße 7, 55130 Mainz.

Broschüre "Hilfe für Angehörige"
aus der "Blauen Reihe" der Deutschen Krebshilfe - für Kinder geeignet das Kapitel "Was fehlt Dir, Papa" und "Mama hat Krebs".

Susan Komen Breast Cancer Foundation Deutschland
Sie sind eine Fundraising Stiftung aus den USA und bieten unter "Brustgesundheit" und "Aufklärung" eine Liste deutsch-englischsprachiger Broschüren, u.a. "Was ist mit Mama los".

Hilfe für Kinder krebskranker Eltern
Ärzte der Strahlenklinik Offenbach haben mit einigen Mitarbeitern sowie betroffenen Eltern im Jahr 1997 den gemeinnützigen Verein " Hilfe für Kinder krebskranker Eltern" e.V. gegründet. Die Initiative bietet Beratung und Information für Eltern und Kinder (jeder Altersgruppe) an. Telefonnummer: 069 / 677 24 504. Die Beratung erfolgt in persönlichen Gesprächen oder telefonisch (nach Terminvereinbarung).

Onko-Kids Chat
wird angeboten von der Aktion für krebskranke Kinder Heidelberg e.V.  Hier tauschen sich Erwachsene, Kinder und Jugendliche aus!

Trauergruppe für Kinder
Die Gruppe für trauernde Kinder der Hospizbewegung Kaarst e.V. - fragt bei Hospizen und in Beratungsstellen in Eurer Nähe nach, ob es dort ähnliche Angebote gibt.

   Psychosoziale Hilfen für Kinder krebskranker Eltern
Dieses Beratungsangebot richtet sich an Kinder aller Alterstufen und beinhaltet je nach individuellem Bedürfnis bis zu 8 Gesprächstermine über einen Zeitraum von max. sechs Monaten. Kontakt: Klinik für Psychiatie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1 (Mittelallee 5a, 1. Etage), 13353 Berlin; Ansprechpartnerinnen: Dr. med. Heike Weschenfelder (Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Familientherapeutin); Dipl.-Psych. Peggy Dörr (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin i.A.) Tel. 030-450 566 227; Fax 030-450 566 923; E-Mail: heike.weschenfelder@charite.de und peggy.doerr@charite.de

DVD: Krebskranke Frauen und ihre Kinder die DVD der Frauenselbsthilfe nach Krebs bietet einen 13 Minuten langen Film an, in dem zwei erkrankte Mütter zeigen und berichten, wie sie ihre Kinder einbeziehen. Darüber hinaus enthält die DVD Interviews mit 12 weiteren Frauen, 4 Kindern, einem Vater und einem Kinder- und Jugendpsychiater. Die DVD ist kostenlos und kann online bestellt werden.



 
 
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